Meine Ägypten Reise: A love letter to my Mistress
Philips Reise von Kairo bis auf den Nil
Philips Reise von Kairo bis auf den Nil
Ägypten war bei mir all die Jahre der eine Freund, dem ich Jahr für Jahr versprochen habe, ihn endlich zu besuchen, und mit dem es dann doch nie geklappt hat. Und wenn man ehrlich ist, wenn es über so lange Zeit nicht klappt, dann will man es auch einfach nicht so wirklich.
Irgendwie waren immer andere Länder wichtiger, und zugegeben auch spannender. Mich haben die Destinationen gepackt, die keiner so wirklich auf der Liste hat, zum Beispiel Libanon, Jemen (Hummeressen im Jemen), Saudi Arabien und natürlich meine zweite Heimat Oman, in der ich die Wüste besser kenne als meinen Vorgarten.
Ich kann mich nicht davon freimachen, dass Ägypten bei mir immer diesen Touch von Pauschaltourismus hatte, anstrengendem Reisen, unglaublich viel Heritage, aber eben auch immer denselben Routen und nicht wirklich viel Luxus.
Wie passt das zu uns als Spezialist für die arabische Welt und für anspruchsvolle Reisen in Länder, die eben nicht jeder auf dem Radar hat? Wie finde ich hier unseren eigenen Dreh, so wie in den anderen Ländern?
Das Grand Egyptian Museum in Gizeh
Ich habe den Köder „neues Ägyptische Museum" geschluckt wie ein Hecht.
Wie so viele Reisende wurde auch ich von den goldenen Grabkammern und Schätzen des GEM (Grand Egyptian Museum) geködert wie ein Fisch. Das war wohl der smarteste Move, den Ägypten seit langem gemacht hat, wenn es sogar schafft, mich vorbeischauen zu lassen, obwohl Museen bei mir in der Prioritätenliste normalerweise im unteren Mittelfeld landen.
Anstatt die Filetstücke ägyptischer Geschichte aus Jahrtausenden weiter nur an die Top-Museen der Welt zu verleihen, hat man mit dem GEM gleich selbst das wohl spektakulärste Museum der Welt gebaut, einen Magneten, dem man sich nicht entziehen kann. Und wer das GEM sehen will, der bleibt natürlich gerne auch noch länger im Land.
Unterwegs in Kairo
Kairo ist wahrscheinlich noch wilder, lauter, ärmer und chaotischer als du es dir vorstellst.
Machen wir uns bitte nichts vor: Dass es mit New Cairo inzwischen eine zweite, für Diplomaten, die Upper Class und reiche Expats aufpolierte Hauptstadt gibt, während das alte Kairo auseinanderfällt, das Durchschnittseinkommen bei 400 Euro liegt und sich nahezu jeder durch den Monat kämpfen muss, ist zutiefst pervers.
Ich fühle mich bei der Überquerung der Straße wie ein Gnu beim River Crossing in der Masai Mara und meine Überlebenschancen fühlen sich ähnlich gering an. Mein Guide schaut mich irritiert an, weil ich die Augen schließe und seine Hand festhalte wie bei Flugzeugturbulenzen. Dabei frage ich mich, ob es wirklich angebracht ist, sich über Baustellen auf der A3 aufzuregen, während die Menschen hier mit Schrotthaufen auf vier Rädern über fünf Spuren, die eigentlich zwei sind, täglich zur Arbeit fahren, um mit einem Hungerlohn an einen Ort zurückzukehren, den man für ihre Kinder kaum noch ein Zuhause nennen kann.
Wenn ich sehe, dass Tanzen und Singen hier keine Frage der Laune ist, sondern nur davon, ob gerade Musik aus einem Lautsprecher kommt oder irgendwer einfach anfängt zu singen, während wir zu Hause erst zwei Gläser Sekt und eine Ansage vom DJ brauchen, um überhaupt auf die Tanzfläche zu gehen.
Wenn ich sehe, wie die Menschen hier ihre Probleme nicht nach außen tragen, ein Fußballspiel feiern wie ihre eigene Hochzeit und mir, obwohl sie selbst nichts haben, trotzdem ein Lächeln schenken, dann wird mir jedes Mal wieder bewusst, warum ich die arabische Welt liebe. Warum sie mich spüren lässt und herausfordert, und was mir die Metropolen der arabischen Halbinsel mit ihrem polierten Glas und Gold so nicht geben können.
Ich habe es nicht geschafft, Kairo zu widerstehen, und aus drei geplanten Tagen spontan eine Woche gemacht.
Die Pyramiden gibt es übrigens auch noch
Ja, die Pyramiden, Sakkara, Memphis und der Rest der Klassiker in und um Kairo gibt es natürlich auch noch und ich hatte das Privileg unseren exklusiven Access zu nutzen und zu sehen wie das erste Licht des Sonnenaufgangs auf die Steine der Pyramiden von Gizeh fällt, bevor die Busse aus Kairo überhaupt losgefahren sind. Ich stand ganz alleine in Sakkaras Gräbern, deren Malereien nach über viertausend Jahren noch so leuchten, als hätte der Künstler den Pinsel gerade eben erst weggelegt.
Weiter geht es ans Meer - Tagesausflug nach Alexandria
Alexandria ist ein Bestseller, den keiner ins Regal stellt
Es zieht mich weiter ans Meer.
Der Name "Alexandria" hatte für mich schon immer eine enorme Strahlkraft – etwas Geschichtsträchtiges, Antikes, fast so, als würde allein sein Klang ein ganzes Zeitalter heraufbeschwören. Ich habe mich immer gefragt, wie eine Stadt, die von Alexander dem Großen gegründet und später von Napoleon erobert wurde, vor deren Küste Nelson die gesamte französische Flotte vernichtete, in nahezu keinem Reiseprogramm Platz findet.
Zwei der größten Feldherren der Weltgeschichte, verewigt an derselben Küste, während sich moderne Herrscher in der Region heute lieber mit dem nächsten Rekordhochhaus verewigen, das schon in zwei Generationen nur noch ein weiteres Foto in einer immer gleichen Skyline sein wird.
Nach meinem Tagesausflug von Kairo aus habe ich es noch weniger verstanden.
Die neu aufgebaute, älteste Bibliothek der Menschheit und die Katakomben von Kom el-Shoqafa, in denen sich pharaonische, griechische und römische Symbole so selbstverständlich verweben, als hätten sich Pharaonen, Griechen und Römer nie darum gestritten, wem diese Wand eigentlich gehört, wären allein schon Grund genug für einen Umweg.
Gepackt hat mich am Ende aber etwas viel Flüchtigeres: Das Salzwasser in der Luft, die Möwen über der Corniche, der Geruch von gegrilltem Fisch, der sich mit der Meeresbrise vermischt, und dieser eigentümliche Mix aus mediterranem und arabisch-afrikanischem Vibe, der einem das Gefühl gibt, gleichzeitig in drei Kontinenten und drei Jahrtausenden unterwegs zu sein.
Genau dieses Zusammenspiel an Kulturen, Ethnien und Einflüssen liebe ich an Handelsstädten am Meer im arabischen Raum, und so tauchen in mir Bilder aus Jeddah, Akaba und Salalah auf, während der Wind vom Meer die Grenzen zwischen all diesen Orten für einen Moment einfach verschwimmen lässt.
Hast du schon von Fayoum gehört?
Eine Stunde fahre ich vorbei an Salzseen und Feldern voller Obst und Gemüse, bis schließlich nur noch Sand übrig bleibt. Kurz darauf stehe ich vor dem Lazib Inn und fühle mich – so abgedroschen es klingt – wie in einer echten Fata Morgana.
Hier habe ich genächtigt:
Der Blick auf den Salzsee wirkt so surreal, dass ich für einen Moment glaube, wieder am Mittelmeer zu stehen – fast wie ein Nachhall von Alexandria, mitten in der Wüste. Der andalusische Baustil und die Herzlichkeit hier ziehen mich deart in ihren Bann, dass ich glatt vergesse, mich einzucremen, und den Sonnenbrand erst bemerke, als die Euphorie längst verflogen ist.
Neugierig, wie ich bin, will ich als Nächstes das verlassene Dorf in den Ruinen erkunden, und die Entscheidung mündet am Ende völlig unerwartet in die inspirierendste Erfahrung dieser ganzen langen Reise.
Lese mehr über diese inspirierende Erfahrung in dem Blogartikel: Das bewegendste Match auf den Straßen von Fayoum.
Auf dem Nil
Es ist unmöglich zusammenzufassen, was es mit dir macht, im Tal der Könige zu stehen, die Schönheit der Malereien zu sehen und zu begreifen, welche unfassbare Leistung Architekten, Maler und Arbeiter bei diesen Tempeln vollbracht haben. Und doch berührt mich, wie so oft, das Drumherum am meisten. Der Nil ist seit Jahrtausenden die Lebensader dieses Landes, und die grüne Vegetation, die Fassaden, die Farben, die Schatten, die die Palmen im Sonnenuntergang werfen, wollen, dass ich auf meiner Dahabiya einen Faber-Castell-Stift herausziehe, dabei könnte ich niemals zeichnen, was ich sehe.
Es ist zu schön, wie all das Leben an dir vorbeizieht wie ein Film, die kleinen Stopps auf Inseln, auf denen Menschen glücklich und frei in völliger Selbstversorgung leben, das Treiben auf den Straßen von Esna, wo alte Fernseher am Straßenrand stehen und noch von Hand gewebt wird. All das verdient einen eigenen Bericht.
Wenn dir jemand den Kopf verdreht hat, könntest du stundenlang über sie schreiben. Und so beende ich diesen Liebesbrief mit einem „Ma Salama“, auf dass wir uns bald wiedersehen.
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